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Der Haus-in-Haus Prototyp soll die Vielseitigkeit und die Modularität des innovativen Myzelium-basierten Bio-Materials visualisieren.; Der Haus-in-Haus Prototyp soll die Vielseitigkeit und die Modularität des innovativen Myzelium-basierten Bio-Materials visualisieren.;

Bioverbundsysteme für den Innenausbau,

Bessere Raumakustik mit Absorbern aus Myzelium

Großraumbüros sollen sowohl ein Ort für produktive Kommunikation als auch für konzentriertes Arbeiten sein. Ein schwieriger Spagat. Er kann nur gelingen, wenn die Flächen akustisch optimiert werden.

In einem gemeinsamen Forschungs- und Innovationsprojekt haben Arup, das Biotech-Startup Mogu und der Baustoffhersteller Ardex ein modulares Bausystem für den Innenausbau entwickelt, das über hervorragende raumakustische Eigenschaften verfügt und aus vollständig nachwachsenden Rohstoffen besteht. Dafür sorgt das neuartige Füllmaterial der Absorberflächen: In unbehandelten Vollholz-Rahmen wird unter kontrollierten Bedingungen auf einem Substrat aus Agrarabfällen Myzelium kultiviert. Diese Pilzkulturen verbinden die natürlichen Fasern von Holz und Substrat und schaffen nach einer abschließenden Wärmebehandlung einen vollkommen neuartigen, dauerhaften Bioverbundwerkstoff.

Sämtliche Komponenten des vorkonfektionierbaren Bausystems bestehen aus schnellwachsenden und 100 % erneuerbaren Rohstoffen, die wiederverwendet und am Ende ihres Lebenszyklus kompostiert werden können. Die Module, welche hinsichtlich Geometrie, Textur und Farbe auf den Kundenwunsch hin adaptierbar sind, können flexibel in Holzbaustecksysteme für den Innenausbau integriert werden. Auch eine Weiterverarbeitung ist möglich. Das Bausystem ist nach den Prinzipien von Cradle-to-Cradle und der Circular Economy entwickelt und könnten perspektivisch Kunststoffe im großen Maßstab ersetzen.

Ein Komposit aus Pilzen und Agrarabfall Ein Komposit aus Pilzen und Agrarabfall

Ein Komposit aus Pilzen und Agrarabfall

Als Myzelium wird das feine Wurzelgeflecht von Pilzen, aus sogenannten Hyphen, bezeichnet. Es wächst schnell unter Zufuhr von Feuchtigkeit und Nährstoffen – in diesem Fall organische Abfälle wie beispielsweise Stroh – und kolonisiert das hinzugefügte Material. Ein anschließender Trocknungsprozess stoppt das Wachstum, erhärtet den Komposit und macht ihn belastbar. Genutzt werden nur die Hyphen, keine Fruchtkörper und somit auch keine Sporen. Das Material ist damit uneingeschränkt nutzbar.

Der Weg zur industriellen Fertigung

Seit einigen Jahren gibt es Versuche, Pilzstrukturen für die Herstellung von hybriden Myzelmaterialien zu verwenden. Das natürlich wachsende Biomaterial wurde zunächst in Kunst und Produktdesign getestest, um beispielsweise Modeartikel und Inneneinrichtungsgegenstände herzustellen. Später wurde es vor allem zur Produktion von Verpackungsmaterial genutzt. Ein früher Ansatz, Myzelium auch für den Bau zu nutzen, ist beispielweise der vom Architekturbüro The Living entworfene Hy-Fi Tower: Eine temporäre Skulptur aus Myzelium Backsteinen der Firma Ecovative Design, die im Jahr 2014 im Museum of Modern Art in New York präsentiert wurde. Arup entwickelte die Tragstruktur für die aus steinförmigen Myzeliumkomponenten geschichtete Skulptur.

Teil des Forschungsprojektes ist der temporäre Bau eines Haus-in-Haus Prototypen zur Demonstration der schnellen Weiterverarbeitung der Myzelium-basierten Bio-Materialien. Es visualisiert die Vielseitigkeit und die Modularität dieses innovativen Baustoffes.


Nachhaltiges Design für die moderne Arbeitswelt

Dank seiner porösen Oberfläche weist das Material sehr gute akustische Eigenschaften auf und ist damit prädestiniert für den Innenausbau vor allem von Büro- und Besprechungsräumen. Das modulare Bausystem ermöglicht ein hohes Maß an Flexibilität für kurzfristige Nutzungsänderungen. Die natürlichen Oberflächen weisen eine hohe haptische und textuelle Qualität auf und erweitern so das Repertoire für das Design moderner und nachhaltiger Arbeitswelten. Das Brandverhalten der Materialien ist vergleichbar mit anderen natürlichen Materialien und wird kontinuierlich weiterentwickelt.

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