Sprache wählen
DE
; ;

Mühlendammbrücke, Berlin

Wie bereiten wir unsere Brücken auf die Mobilitätswende vor?

Die Berliner Mühlendammbrücke, die zwei Spreeufer verbindet, ist Teil einer verkehrlich und stadträumlich bedeutenden Straßenführung. Sie überführt im Zuge des Mühlendamms die Bundesstraße 1 vom Molkenmarkt zur Fischerinsel in unmittelbarer Nähe der Mühlendammschleuse. Die den öffentlichen Raum dominierende Brücke und ihrem Umfeld kommt also in vielerlei Hinsicht eine große Bedeutung im ältesten Teil der Berliner Innenstadt zu.

Die Spannbetonbrücke aus dem Jahr 1968 basiert auf Hennigsdorfer Spannstahl. Kontrolluntersuchungen im Jahr 2019 hatten Sofortmaßnahmen wie eine Einschränkung des Schwerlastverkehrs zufolge, um die sichere Nutzung der Brücke weiterhin gewährleisten zu können. Da eine Instandsetzung aufgrund des spannungsrissgefährdeten Spannstahls nicht möglich war, entschied sich der Berliner Senat für einen Ersatzneubau. Im folgenden Wettbewerbsverfahren erzielte unser gemeinsamer Entwurf mit dem Architekturbüro Cobe den ersten Platz. Die neue Mühlendammbrücke soll in zwei Stufen die Berliner Mobilitätswende umsetzen, wobei in der zweiten Stufe mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer geschaffen wird. Als wichtiger Bestandteil der historischen Berliner Mitte soll die Mühlendammbrücke in Zukunft Platz für verschiedene, stadtverträgliche Arten der Mobilität, aber auch eine neue Aufenthaltsqualität bieten.

Bereit für die Mobilitätswende

Die Mühlendammbrücke bietet heute sechs Spuren für den motorisierten Individualverkehr. Unsere Neubauplanung sieht eine Neuaufteilung der Verkehrsfläche vor, die in mehreren Projektphasen umgesetzt werden soll.

Neben Pkws finden künftig auch Straßenbahnen der Straßenbahn-Neubaustrecke vom Alexanderplatz zum Potsdamer Platz und Fahrräder auf der obersten Ebene Platz. Fußwege werden auf den beiden Außenseiten der Brücke angeordnet. Dabei soll die Ebene des Fußverkehrs versetzt zum oberen Plateau verlaufen. So frequentieren verschiedene Mobilitätsarten auf verschiedenen Ebenen und schaffen damit ein höheres Sicherheitsgefühl.

Mehr Aufenthaltsqualität

Mit ihrer konkaven Form, die sich zur Mitte hin verjüngt, wird sich die Brücke in den städtischen Raum integrieren und ihn gleichzeitig aufwerten. Dabei werden die Uferseiten bestens angebunden. An der südwestlichen Seite ist ein Treppenabgang zum Uferpark auf der Fischerinsel vorgesehen. Diagonal gegenüber gelegen wird über einen flachen Schwung die Uferpromenade des Nikolaiviertels erreicht.

Die Hauptaufgabe von Brücken ist das Verbinden. Bei der Mühlendammbrücke geht es jedoch um mehr, als nur zwei Uferseiten zu vereinen. Diese Brücke soll verschiedenste Nutzungsmöglichkeiten bieten und damit zu einem wertvollen und gerne genutzten Teil des Berliner Stadtraums werden. ” Markus Gabler Markus Gabler Leiter Brückenbau bei Arup in Deutschland

Nutzung auch während der Bauphase

Die Planung umfasst neben dem Neubau einer Stahlverbundbrücke auch den Rückbau der bestehenden Brücke und soll in mehreren Bauphasen und weitestgehend parallel erfolgen. Mit dem sogenannten „Abbau in Scheiben“ soll die kontinuierliche verkehrliche Nutzung in der Bauphase gesichert werden. Dabei werden im Wechsel jeweils eine Strecke neu errichtet und anschließend eine bestehende zurückgebaut.